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Kritik: Enter the Void

by mister on Januar 6th, 2011
Enter The Void Kritik

Action:★¼☆☆☆ 
Humor:☆☆☆☆☆ 
Spannung:★★★★★ 
Romantik:★★★★½ 
Drama:★★★★★ 
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Erscheinungsjahr: 2010 Regisseur: Gaspar Noé Darsteller: Nathaniel Brown, Paz de la Huerta Genre: Drama, Avantgarde Produktionsland: Frankreich, Deutschland, Italien Laufzeit: 161 min. Imdb-Wertung: 7,3/10

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Es kommt ein bisschen spät und war auch eigentlich eher eine spontane Idee, aber nachdem ich diese Woche Gaspar Noé’s aktuellen Film gesehen habe, konnte ich nicht anders, als doch mein „Video 2010“ zu küren.

Enter the Void heißt sein jüngstes Werk und Noé hat hier ein Film-Erlebnis geschaffen, wie ich es lange nicht gesehen habe. Experimentell, radikal, undurchsichtig und genauso unmissverständlich in einem. Wie er selbst sagt, war die Idee zu dem Film von seinen Erfahrungen mit halluzinogenen Drogen beeinflusst, vor allem mit dem in Lateinamerika verbreiteten Ayahuasca. Wenn es auch nicht um einen Drogentrip im eigentlichen Sinne geht, wie er beispielsweise in Fear and Loathing in Las Vegas oder Requiem for a dream dargestellt wird, so merkt man doch deutlich, dass die Erzählweise des Films dem Paradigma des Rausches folgt. Der Name ist Programm. Nach einem verstörend stroboskopischen Vorspann wird der Zuschauer in eine transzendente Zwischenwelt entführt, in der die ruhelose Seele des Protagonisten versucht Erlösung zu finden.

Der Film mag Ungereimtheiten oder Überflüssiges in seinem logischen Aufbau enthalten, aber diese dramaturgische Entwicklung steht bei Enter the Void auch nicht im Vordergrund. Wie bei den Filmen von David Lynch geht es darum, die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen, satt die konkreten Handlungen selbst. Die Narration ist sorgsam in das wirre Durcheinander aus Farben und Situationen eingeflochten, wie in einer Traumerfahrung und ist daher nur sehr implizit nachzuvollziehen. Nichtsdestotrotz reißt der Film den Zuschauer in seinem zweieinhalbstündigen Selbstfindungstrip mit sich und zeigt unterwegs allerhand experimentelles Kino vom Feinsten. Großartige Einstellungen mit wunderschönen Vertigo-Effekten, psychedelische Lichtspektakel und die wahnwitzige Idee der außerkörperlichen Erfahrung, in einer feinfühligen Paarung aus buddhistischem Gedankengut und Halluzination.

Zu guter letzt, hat Gaspar Noé im Gegensatz zu seinen Älteren Filmen, die Grenze des guten Geschmacks bei Enter the Void nicht so skrupellos unterwandert. Es gibt zwar ein paar Szenen mit recht expliziter Sexualität (ich verstehe immer noch nicht, warum die wildesten Dramaturgen immer so ein seltsames Verhältnis zur Sexualität in ihre Werke einbauen), aber die sind durchaus zu verkraften. Somit wird hier jeder Freund von Gilliam, Lynch und sonstigen Avantgardisten sein Fett wegkriegen. Auch wenn man nicht wirklich versteht was vor sich geht, kann man sich einfach mit der Seele des jungen Oskars durch die Leere treiben lassen und sich an den Eindrücken des Films berauschen.

2 Comments
  1. Viktor permalink

    Sehr schön, hab mir den Film letzt besorgt, kam aber noch nicht dazu ihn zu schauen. Jetzt bin ich erst recht scharf auf den Film :)

  2. Jetzt ganz oben auf der Liste…

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